14.08.2008: Deutschlandfunk
DeutschlandfunkDer Deutschlandfunk berichtet am 14.08.2008 mit einem Radiobeitrag in der Sendung "Campus & Karriere" über Wawerko (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/831512/):

Basteln und selbermachen

Informatiker gründen Handwerkerportal

Von Hilde Braun

Wie löscht man eine Festplatte, wie beseitigt man Lackschäden, wie erstellt man ein Marsmobil? Informatiker der Technischen Hochschule Dortmund haben das erste Heimwerker- und Bastelportal im Internet eingerichtet. Auf der Plattform vernetzen sich Studierende, Wissenschaftler, Handwerker und Laien, um Anleitungen zu veröffentlichen.
Die Idee zum Heimwerker- und Bastelportal Wawerko hatten sechs Informatiker der Universität Dortmund beim Cafétrinken. Mehrere Monate lang haben sie bis in die frühen Morgenstunden programmiert, Nächte durchgearbeitet, eine GmbH gegründet und sind online gegangen. Mit großem Erfolg. Die Nutzerzahlen steigen kontinuierlich. In dem Portal kann jeder, der möchte Bau-, Bastel oder Gebrauchsanleitungen veröffentlichen, wissenschaftliche, oder ganz alltägliche. Es gibt insgesamt acht Kategorien. Erich Frank, ist 28 Jahre alt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule in Dortmund, einer der Gründer der Seite:

Es geht um das eigene Werk, nicht um die Standardanleitung, jeder Nutzer soll sich selbst darstellen. Eine sehr schöne Anleitung ist ein schwebendes und unsichtbares Bücherregal, also wenn man das an der Wand sieht, dann denkt man, wie halten diese Bücher überhaupt...

Bei Wawerko kann jeder mit jedem Wissen austauschen, egal in welchem Bereich, ob KfZ, Computer, Haus oder Garten: die Anleitungen sind frei zugänglich, wer selbst eine einstellen möchte, muss sich zunächst registrieren. Jede Anleitung ist in kleine Einzelschritte aufgeteilt, meist werden Fotos dazu gestellt. Wer etwas nicht versteht, kann per Mail nachfragen, einen Kommentar schreiben, oder Verbesserungstipps geben. Wie zum Beispiel Rainer Straube, er ist seit 30 Jahren Malermeister und findet das Portal sinnvoll:

Viele private Leute wissen ja gar nicht was sie machen sollen, viele machen verkehrte Sachen, kaufen teure Sachen und wissen gar nicht wie sie es anwenden müssen oder können es gar nicht richtig verarbeiten, weil sie es gar nicht gelernt haben. Es gibt Tapeten da muss jede Bahn auf den Kopf gedreht werden, gestürzt kleben, das wissen viele nicht ...

Rainer Straube findet den Austausch mit anderen Handwerkern gut. Selbst hat er noch nichts in das Portal gestellt, findet das bei Maltechniken eher schwierig.

Man kann es eben schlecht zeigen, schlecht beschreiben, man müsste es eben sehen.

Videos können auch ins Portal eingestellt werden. Die Anleitungen sind alle auf deutsch. Die Nutzer kommen aus aller Welt, aus den USA, aus China, aus Thailand oder der Schweiz. So findet ein internationaler Wissenstransfer statt. Isabell Hilgers ist Referendarin im Lehramt, sie ist 27 Jahre alt. Sie gibt Tipps zur Züchtung von Papyrus.

Da hat sich prompt schon einer gemeldet, jo könnte ich so einen Ableger haben? Und jetzt habe ich mir vom Blumenladen so ein kleines Röhrchen gekauft und jetzt kriegt er die geschickt. Man schneidet dann eine Staude ab und stellt die drei Wochen ungefähr in Wasser, dann bilden sich kleine weiße Wurzeln und dann kann man die wieder einpflanzen und ein paar Wochen später sieht man schon die ersten Triebe.

Auf den Namen der Internetseite Wawerko kamen die Informatiker aufgrund eines Kinderbuches aus den 70-ger Jahren. Darin geht es um drei Tiere, die handwerkliche Fähigkeiten besitzen und zeigen wie sie kaputte Dinge reparieren, eines von ihnen, ein Biber, hieß Wawerko. Bestimmte Inhalte sind auf der Website verboten, Pornographie, oder Anleitungen zum Bau einer Bombe. Wer sich nicht daran hält fliegt zwar grundsätzlich aus dem Portal, aber:

Allerdings haben wir ein System im Hintergrund laufen, was eben nach bestimmten Wörtern filtert, diese Wörter haben wir selbst zusammengestellt, da wird aussortiert, das wird uns gemeldet, und wird dann eben entfernt.

Ob es sich bei den Nutzern um Wissenschaftler oder Nicht -Akademiker handelt, sieht man nicht im Netz und das ist gewollt. Es soll eine Plattform sein, die offen ist für alle:

Wir wollen eigentlich nicht wissen, woher die Nutzer konkret kommen, oder wo sie wohnen, wir wollen wirklich die Anleitungen haben.

Die Bastelbörse ist aber mehr als ein Spaß oder eine Freizeitbeschäftigung für die Informatiker. Erich Frank kann die Arbeit mit der Website auch im täglichen Hochschulbetrieb gebrauchen.

Wir haben auch eine Vorlesung im Bereich E-Venture, da können wir die Erfahrungen, die wir da machen im Bereich Marketing, im Bereich Programmierung, wie man strategisch Kooperationen abschließt, wie man das ganze angeht, können wir auch zurück an die Studenten geben.

Die Informatiker finanzieren ihr Portal zur Zeit übrigens noch aus der eigenen Tasche wollen sich jetzt aber zügig um Fördergelder kümmern.